Inspiriert durch Paul’s Blogeintrag hab ich mal versucht zu rekapitulieren, wann mein "erstes Mal" gewesen ist. Also nicht mein erster Einsatz (bin ja kein Rettungsdingsler
), sondern meine erste Reanimation, bzw. mein erster Toter.
Das muß damals in meiner Ausbildung gewesen sein, soviel weiß ich noch. Allerdings kann ich mich beim besten Willen nicht mehr der genauen Umstände, geschweige denn der Person entsinnen. Dafür ist es schon zu lange her (bald 20 Jahre) Ich weiß nur, daß seit dem unzählige Lebenslichter in meinen Diensten erloschen sind.
Nein, ich bin kein verkappter "Todesengel" von $_Stadt_in_Deutschland! Ich bin Intensivpfleger und das schon seit sehr vielen Jahren. Und im Laufe meiner "Karriere" habe ich zwangsläufig an vielen Reanimationen teilgenommen, die nun mal nicht immer auch erfolgreich waren. Das liegt in der Natur der Sache.
Ein Ereignis aus meiner Ausbildungszeit ist mir allerdings hängen geblieben. Ich war (iirc) im 2. Ausbildungsjahr und betreute eine schon sehr betagte alte Dame über geraume Zeit. Keine Ahnung, was der Guten fehlte, wie gesagt, schon lage her. Wir kamen sehr gut miteinander klar und sie freute sich auch immer, wenn ich im Dienst war. Mir ging es nicht anders. Ich mochte diese alte Dame einfach.
Eines schönen Sommertages dann, ich kam zum Dienst und die Dame war am Vortag im Spätdienst verstorben. Einfach so.
Mir hat das damals sehr zugesetzt, war die Dame soch sowas wie eine Freundin geworden. Ich hatte noch einige Zeit danach daran zu knabbern. Immer wieder kam mir die Frau in den Sinn. Hin und wieder hatte ich auch den Gedanken, ob der Job wirklich der Richtige für mich war.
Nun ja, irgendwann kam ich darüber hinweg. Aber ich hatte meiner Lektion gelernt.
Emotionen gehören zum Pflegeberuf dazu, wie die Butter aufs Brot. Allerdings darf man sich nicht von seinen Emotionen einnehmen lassen. Die Folgen können ungeahnt sein und es wäre nicht das erste Mal, daß eine Krankenschwester / ein Krankenpfleger nach einem solchen Ereignis den Hut nimmt.
Das soll jetzt kein Aufruf dazu sein, als emotionaler Eisblock in diesem Beruf zu arbeiten. Doch sollte man sich seiner Emotionen, die man in diese Arbeit einbringt, bewußt sein. Ich weiß auch, daß der Grat zwischen Emotionen und Abstumpfen sehr schmal ist und auch nicht von jedem begangen werden kann, dennoch sollte jeder, der diesen Beruf ausübt wenigstens darüber nachdenken.
Seit dem oben genannten Ereignis ist mir sowas nie wieder passiert und ich habe meinen Weg gefunden, meine Arbeit nicht "mit nach Hause zu nehmen".
Anyone else?
Find ich schön, das ich zu einem Artikel inspiriert habe!
Weise Worte. Geht mir ähnlich, man darf sich nicht zu sehr “reinsteigern”, aber das lernt man halt erst mit der Zeit. Und dann gibt es tatsächlich die, die extrem abgestumpft sind, das ist aber auch nicht wirklich gut.
Ich hatte zum Glück nie wirklich Probleme damit, ich glaube, ich kann mich bei sowas ganz gut abschirmen. Auch ohne generell zu stumpf zu werden. Aber ich bin auch nicht der emotionalste Mensch. Und es gibt einfach Leute, die gehen dran kaputt. Leider.